Archive for Januar, 2012


Kinoabend

Neuer Dienstag, neuer Film.

Dieses Mal: “Der Gott des Gemetzels”…Häh?

Ja, so hab ich auch reagiert. Keine Ahnung, was das für ein Film sein sollte. Um genau zu sein, ist dieser Film die Adaption eines Theaterstücks namens “Le Dieu du carnage” von Yasmina Reza.

Ui, anspruchsvoll.

Zumindest die Besetzung lässt einiges vermuten. Die Schauspieler haben alle schon mal einen Oscar in der Hand gehalten und es stand kein fremder Name drauf.

Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly. Das wars auch schon. Die volle Besetzung wird nur noch kompletiert von zwei Jungen, die hauptsächlich im Vor- und Abspann zu sehen sind und keinerlei Text haben.

Dazu der Regisseur, Roman Polanski.

Kann ja eigentlich nur gut werden. Und das ist es auch geworden.

Zur Story: Ein Junge schlägt dem anderen während einer Rauferei zwei Zähne aus. Die Eltern des verletzten Jungen, die Longstreets (Foster und Reilly) laden die Eltern des Raufboldes, die Cowans (Winslet und Waltz) zu sich ein, um den Vorfall zu diskutieren.

Das Ganze gerät mehr und mehr außer Kontrolle und entwickelt sich zu einer echten Katastrophe.

Die gesamte Story spielt in und vor der Wohnung der Longstreets und kommt mit äußerst wenig Schnitten aus. Das lässt einen fast Theateratmosphäre spüren und macht die Leistung der Schauspieler noch beeindruckender.

Die Besetzung hält, was sie verspricht.

Jodie Foster als integere, ordentliche, niveauvolle, kunstinteressierte Mrs Longstreet macht wohl die größte Veränderung durch und ist am Ende des Films ein hysterisches, heulendes Häufchen Elend, Reilly mutiert vom anfangs etwas naiven, aber freundlichen und tolerantem Mann zu einem verbohrten Etwas voller Vorurteile und der Meinung, dass er die einzig richtige Meinung hat.

Die stille, höfliche, ruhige Mrs Cowan, genial gespielt von Kate Winslet, die alle Hemmungen fallen lässt, sobald sie einen über den Durst getrunken hat.

Am besten aber eindeutig Christoph Waltz, der den skrupellosen Rechtsanwalt Cowan spielt und dem die ganze Sache anfangs so egal ist, respektlos in jeder Hinsicht, mit bösem, trockenen Humor und der Einsicht, dass er DER Übermensch ist und alle anderen meilenweit unter ihm stehen.

Seine schauspielerische Leistung ist umso schöner, da er der einzige ist, der (natürlich) nicht sychronisiert worden ist und somit hört man seine Originalstimme, die ständig dieses spöttische Augenzwinkern in sich trägt.

Aber auch Mr. Cowan macht seine Veränderung durch. Während die anderen lauter und ausufernder werden, verliert er zusammen mit seiner Technik sein gesamtes Selbstvertrauen und zieht sich klein, verletzt und ängstlich in seine Ecke zurück.

 

Die Dialoge sind herrlich bissig und machen wirklich Lust, mal wieder das Theater zu besuchen. Kein Film voller Actionsequenzen, kein Crash, Boom, Bang, dafür intelligente, böse und zeitweise sehr lebensnahe Wortgefechte. Keine Zeitlupe, kein Fast Forward, dafür minutenlanges Hin- und Herschwenken zwischen den Kontrahenten. Keine Armee von Statisten, keine aufwändigen Bühnenbilder oder Hintergründe, dafür vier erstklassige Schauspieler.

Oscars wirds keine dafür geben, der Fild ist keine amerikanische Produktion und Roman Polanski darf ja bekanntlich nicht mehr in die USA einreisen. Verdient hätte der Film ein paar.

Kinoabend

Neues Jahr, neues Glück. Es geht bei mir mal wieder los mit bloggen.

Und natürlich war am Dienstag Kinoabend.

Der erste Film des Jahres war… Tataaa! Sherlock Holmes: A game of shadows.

Ja, ich oute mich jetzt: Ich hab weder den ersten Teil gesehen, noch hab ich mich jemals mit Sherlock Holmes in irgendeiner Weise bschäftigt.

Also ging ich vollkommen unbedarft in den Film. Und kam absolut begeistert wieder raus.

Zur Story: Wir befinden uns im Europa des 19. Jahrhunderts. Eine wunderbare Zeit, in der man noch brav in Weiß geheiratet hat, sobald es mal zu einem Kuss kam. Eine Zeit, in der Feinde ein nieveauvolles Gespräch führen und Schach spielen, anstatt sich gegenseitig wegzuballern. Eine Zeit, in der ein Mann ohne Hut nur ein halber Mann war. Wunderbar!

Die Gentlemen, um die es sich vor allem dreht, sind der allseits bekannte Dedektiv Sherlock Holmes und sein integrer (und frisch verheirateter) Gehilfe Dr. Watson. Der angesprochene Gegenspieler Professor Moriarty.

Die Story dreht sich um eine Verschwörung des Professors, der plant, mit diversen Anschlägen einen Weltkrieg heraufzubeschwören. Holmes und Watson wollen ihn natürlich davon abhalten…zumindest Holmes will das. Watson ist wohl nur eher dabei, um zu verhindern, dass Homes nicht auch noch dabei draufgeht.

Sind wir mal ehrlich: Die Story ist eher nebensächlich. der Film lebt nicht von der Story, sondern von den überragenden Wortgefechten der zwei Protagonisten; genial verkörpert von Robert Downey Jr. und Jude Law. Ich hab mir wirklich gewünscht, ich würde in einem O-Ton-Kino sitzen. Irgendwann muss ich mir diese Dialoge im Original anhören.

Die beiden sind witzig, intelligent, schlagfertig und spielen sich die verbalen Bälle nur so zu.

Von der Besetzung weiterhin ist zu nennen Jared Harris als genialer Gegenspieler Moriarty, herrlich böse sowie ein wunderbarer Stephen Fry als Sherlocks Bruder  Mycroft Holmes, der einmal im Film eine äußerst…na ja, sagen wir mal offenherzige Szene hat…einer der Brüller im Film.

Die obligatorische Frau, die Zigeunerin Simza, verkörpert von Noomi Rapace hat für mich eher den Anschein von schmückendem Beiwerk gehabt.

Regisseur Guy Ritchie hat ein Meisterwerk geschaffen. Ungewöhnliche Kameraeinstellungen, Zeitsprünge, rasante Kameraführung, abwechselnd mit Zeitlupeneinstellungen, in denen das Auge vom großen Ganzen auf ein winziges Detail wie zum Beispiel eine abgeschossene Kugel gelenkt wird, machen das Zuschauen spannend, abwechslungsreich und immer wieder interessant. Man kann bei Holmes´Gedanken praktisch dabei sein, während er scheinbar unwichtige Details wahrnimmt, mögliche Abläufe durchgeht oder einen Plan entwickelt.

Die Actionszene, in der die Protagonisten durch einen Wald fliehen ist für mich eine der bestgemachen Fluchtszenen, die ich bis jetzt gesehen habe.

Ein Film, der eher ungewöhnlich gedreht ist und sich deswegen so wunderbar aus der Masse abhebt.

Absolut sehenswert.

 

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