Neuer Dienstag, neuer Film.
Dieses Mal: “Der Gott des Gemetzels”…Häh?
Ja, so hab ich auch reagiert. Keine Ahnung, was das für ein Film sein sollte. Um genau zu sein, ist dieser Film die Adaption eines Theaterstücks namens “Le Dieu du carnage” von Yasmina Reza.
Ui, anspruchsvoll.
Zumindest die Besetzung lässt einiges vermuten. Die Schauspieler haben alle schon mal einen Oscar in der Hand gehalten und es stand kein fremder Name drauf.
Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly. Das wars auch schon. Die volle Besetzung wird nur noch kompletiert von zwei Jungen, die hauptsächlich im Vor- und Abspann zu sehen sind und keinerlei Text haben.
Dazu der Regisseur, Roman Polanski.
Kann ja eigentlich nur gut werden. Und das ist es auch geworden.
Zur Story: Ein Junge schlägt dem anderen während einer Rauferei zwei Zähne aus. Die Eltern des verletzten Jungen, die Longstreets (Foster und Reilly) laden die Eltern des Raufboldes, die Cowans (Winslet und Waltz) zu sich ein, um den Vorfall zu diskutieren.
Das Ganze gerät mehr und mehr außer Kontrolle und entwickelt sich zu einer echten Katastrophe.
Die gesamte Story spielt in und vor der Wohnung der Longstreets und kommt mit äußerst wenig Schnitten aus. Das lässt einen fast Theateratmosphäre spüren und macht die Leistung der Schauspieler noch beeindruckender.
Die Besetzung hält, was sie verspricht.
Jodie Foster als integere, ordentliche, niveauvolle, kunstinteressierte Mrs Longstreet macht wohl die größte Veränderung durch und ist am Ende des Films ein hysterisches, heulendes Häufchen Elend, Reilly mutiert vom anfangs etwas naiven, aber freundlichen und tolerantem Mann zu einem verbohrten Etwas voller Vorurteile und der Meinung, dass er die einzig richtige Meinung hat.
Die stille, höfliche, ruhige Mrs Cowan, genial gespielt von Kate Winslet, die alle Hemmungen fallen lässt, sobald sie einen über den Durst getrunken hat.
Am besten aber eindeutig Christoph Waltz, der den skrupellosen Rechtsanwalt Cowan spielt und dem die ganze Sache anfangs so egal ist, respektlos in jeder Hinsicht, mit bösem, trockenen Humor und der Einsicht, dass er DER Übermensch ist und alle anderen meilenweit unter ihm stehen.
Seine schauspielerische Leistung ist umso schöner, da er der einzige ist, der (natürlich) nicht sychronisiert worden ist und somit hört man seine Originalstimme, die ständig dieses spöttische Augenzwinkern in sich trägt.
Aber auch Mr. Cowan macht seine Veränderung durch. Während die anderen lauter und ausufernder werden, verliert er zusammen mit seiner Technik sein gesamtes Selbstvertrauen und zieht sich klein, verletzt und ängstlich in seine Ecke zurück.
Die Dialoge sind herrlich bissig und machen wirklich Lust, mal wieder das Theater zu besuchen. Kein Film voller Actionsequenzen, kein Crash, Boom, Bang, dafür intelligente, böse und zeitweise sehr lebensnahe Wortgefechte. Keine Zeitlupe, kein Fast Forward, dafür minutenlanges Hin- und Herschwenken zwischen den Kontrahenten. Keine Armee von Statisten, keine aufwändigen Bühnenbilder oder Hintergründe, dafür vier erstklassige Schauspieler.
Oscars wirds keine dafür geben, der Fild ist keine amerikanische Produktion und Roman Polanski darf ja bekanntlich nicht mehr in die USA einreisen. Verdient hätte der Film ein paar.
